Impuls fürs Mittagsgebet - Sonntag, 22.03.2020

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Impuls fürs Mittagsgebet - Sonntag, 22.03.2020
MEINE ZEIT STEHT IN DEINEN HÄNDEN

Aus diesem Becher trinke ich zur Zeit am Liebsten. Auf der Tasse stehen die Worte: Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir.
Die Worte sind der Kehrvers eines Liedes von Peter Strauch und steht in unserem blauen Gottesdienst Ringbuch unter der Nummer 631.
„Meine Zeit steht in deinen Händen!“ genau diese Worte betet einer in der Bibel. Worte, die uns im Psalm 31 überliefert sind.
Wenn man diese Worte im Gesamtzusammenhang von Psalm 31 liest, dann merkt man: hier spricht einer, der bittere Erfahrungen des Leides gemacht hat. Im Rückblick und in der Wahrnehmung der jetzigen Schwachheit erscheint das ganze Leben wie ein einziger Sturz immer tiefer in Leiden und Angst. Alle Kraft ist verschwunden. Leib und Seele sind matt geworden. Die Augen trübe vor lauter Tränen. Die Knochen schmerzen. Selbst Nachbarn und Bekannte ziehen sich zurück und Familie scheint es keine mehr zu geben. Keiner mag mit diesem gebrochenen Menschen zu tun haben.
Wer so etwas erleben muss, wie kann der noch glauben?
Bewundernswert und tröstlich darum dieses noch immer unerschütterliche Bekenntnis am Schluss: Ich ABER, Herr, hoffe auf dich und spreche:
Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.
Wie ein Leuchtturm an Glauben! Das dieser Mensch noch so festhalten kann an Gott! Gott als der Einzige, auf den zu vertrauen Sinn hat. Dass auch diese Zeit in Gottes Händen ist; und die Zeit, die kommt. Was auch kommen mag, es steht in Gottes Händen. Es kann sich noch einmal wenden. Und wenn nicht, ist auch dies in Gottes Hand.
Heute am Sonntag Lätare, am vierten Sonntag der Passionszeit denke ich auch daran, dass am Ende Jesus nur dies blieb: so sein Leben und seine Zeit in Gottes Hände legen. Am Abend vor seinem Tod, wie uns von Jesus erzählt wird. Da wünscht und hofft er im Garten Gethsemane, dass Gott doch noch eingreifen würde und sein Leben diesem grausamen Sterben entreißen. Es geschah nicht. Und Jesus akzeptierte dies als Gottes Wille für ihn und trug das Schwere mit dem Rest in Kraft, die ihm blieb. Sein Weg führte durch die Angst in den Tod. Das Grab mit dem schweren Stein davor. Und doch geschah das Unvorstellbare: Die zum Salben gekommenen Frauen finden das leere Grab, und begegnen dem Auferstandenen.
Es wurde Erfahrung und bleibt doch immer mehr, als wir verstehen können.
Aber genau das möge uns auch in der schwersten und dunkelsten Zeit tragen - sagen zu können: „Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.
Bleiben Sie in Gott geborgen und behütet,
Ihre Christhild Grafe